Januar
Der Januar ist nach dem römischen Gott Janus benannt, der mit zwei Gesichtern dargestellt wird. Er steht für Anfang und Ende, Ein- und Ausgänge, der Türen und Tore. So wie der Monat.
Der kälteste Monat des Jahres ist von Frost, Schnee und Raureif geprägt. Die Tage sind oft noch dunkel, die Nächte lang, die Welt wirkt stiller. Doch genau diese Stille kann ein Raum sein.
Im Januar beginnt das neue Jahr mit stillen Tagen und frischer Klarheit. In der Natur gibt es neben Winterspuren von Tieren auch erste Spuren von Frühblühern wie Schneeglöckchen und Schneerosen.
Im Januar beginne auch ich ein neues Kapitel. Es ist eine Zeit der Hoffnung, in der kleine Schritte größer werden können, als große Versprechungen und Vorstellungen. So wie die Natur nach dem Monat Dezember wieder zu neuem Leben erwacht, lädt uns auch der Jahreswechsel ein, innezuhalten, zu sammeln und neu auszurichten.
Gib dir selbst die Erlaubnis, langsam anzufangen. Frag dich jeden Tag: Was ist heute wirklich wichtig? Welcher Wert leitet mich heute? Vielleicht ist es Geduld, Verantwortung, Liebe und Hoffnung, Güte oder Demut. Wenn wir diese Werte bewusst auswählen, verwandeln sich Gewohnheiten in innere Haltungen.
Gott segnet oft leise: Nicht mit lauten Worten, sondern mit Ruhe in unserem Herzen, mit einem Moment der Erkenntnis, mit der Kraft eines erneuten Ja zu dem, was gut und gerecht ist. Ich muss genau hinhören. Wer sich Zeit nimmt für kleine, treue und geduldige Schritte, steht am Ende des Monats mit einem größeren Horizont da als zuvor. Für mich öffnen sich dann sozusagen Tor und Tür.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr!
Dominik Graf, Gemeindeassistent
Dezember
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…“
(GL 218)
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…“ – diese Zeilen sind bis heute ein fester Bestandteil des Advents. Vor mittlerweile über 400 Jahren, mitten im 30-jährigen Krieg, schrieb der Theologe und Musiker Georg Weißel (1590–1635) in Königsberg, der damaligen Hauptstadt Ostpreußens, ein Lied, das bis heute Hoffnung und Trost spendet.
Die Zeit, in der Weißel lebte, war geprägt von Gewalt, Armut und Unsicherheit. Der 30-jährige Krieg (1618–1648) verwüstete Europa, und auch Königsberg blieb nicht verschont. Die Menschen litten unter Hunger, Krankheiten und der ständigen Bedrohung. Der Krieg stand vor der Tür, an Frieden und Ruhe nicht zu denken.
Doch auch in dieser Zeit wurde es Advent!
Die Legende erzählt: An einem kalten Wintertag fegte ein heftiger Nordoststurm über Königsberg. Schnee peitschte durch die Straßen, und die Menschen suchten Schutz im Dom. Der Küster öffnete die Tür mit den Worten:
„Willkommen im Hause des Herrn! Hier ist jeder in gleicher Weise willkommen, ob Patrizier oder Tagelöhner! Sollen wir nicht hinausgehen auf die Strassen, an die Zäune und alle hereinholen, die kommen wollen? Das Tor des Königs aller Könige steht jedem offen.“
Weissel bedankte sich bei seinem Küster: „Er hat mir eben eine ausgezeichnete Predigt gehalten!“ Und er machte daraus am selben Abend das bekannte Weihnachtslied.
Doch nicht alle Türen standen offen. Neben der Kirche lebte der reiche Kaufmann Sturgis. Aus Angst vor den unruhigen Zeiten hatte er sein Grundstück mit Toren abgesichert – und damit den direkten Weg zum Armen- und Siechenheim versperrt. Die Bewohner, ohnehin schon am Rande der Gesellschaft, waren nun auch noch vom Gemeindeleben abgeschnitten.
Am vierten Advent stand Weißel mit einem Chor vor Sturgis’ Haus. Viele Arme und Gebrechliche hatten sich ihnen angeschlossen.
Weißel hielt eine kurze Predigt und erinnerte daran, dass viele Menschen dem „König aller Könige“ die Tore ihres Herzens verschlossen hielten. Dann sang der Chor: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…“Sturgis war tief bewegt. Noch während des Liedes holte er den Schlüssel und öffnete das Tor – für immer. Der Weg zur Kirche wurde fortan „Adventsweg“ genannt.
Seit mir vor einigen Jahren diese Entstehungsgeschichte von „Macht hoch die Tür“ zum ersten Mal begegnet ist, hat dieses Lied noch einen tieferen Sinn für mich bekommen.
Der Advent ist die Zeit des Wartens, der Advent ist die Zeit der Hoffnung, der Advent ist die Zeit um verschlossene Türen zu öffnen, sich zu versöhnung und dankbar zu sein für das, was uns geschenkt ist: Leben!
Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit voller offener Tore!
Maria Grüner, Pastoralreferentin
November
Loslassen lernen – wie die Bäume ihre Blätter
Der November ist eine besondere Zeit im Jahreslauf. Die Natur zieht sich zurück, die Tage werden kürzer, kälter, dunkler. Die Bäume verlieren ihre Blätter – scheinbar ein Bild des Verlusts, des Abschieds. Und doch ist genau darin eine tiefe Weisheit verborgen.
Die Bäume halten ihre Blätter nicht krampfhaft fest. Sie lassen sie los. Nicht, weil sie es müssen, sondern weil es dran ist. Weil es zum natürlichen Rhythmus des Lebens gehört. Das Loslassen bereitet den Boden für Neues – auch wenn dieser Neuanfang noch fern scheint. Ohne das Abwerfen der alten Blätter gäbe es kein neues Wachstum im Frühling.
Wie oft halten wir Menschen fest – an Dingen, Menschen, Gewohnheiten, die uns längst nicht mehr guttun? Aus Angst vor Veränderung, aus Unsicherheit, aus dem Wunsch, Kontrolle zu behalten. Doch wie die Blätter im Herbst, gibt es auch in unserem Leben Zeiten, in denen das Loslassen ein Akt des Vertrauens ist – ein Ja zum Wandel.
Jesus selbst hat uns das vorgemacht. Immer wieder hat er losgelassen: Heimat, Sicherheit, Ansehen. Und schließlich sogar sein Leben – im Vertrauen auf den Vater und die Auferstehung. Auch wir sind eingeladen, zu vertrauen: dass hinter dem Loslassen ein größerer Sinn liegt, auch wenn wir ihn noch nicht sehen.
Der November mit seinen stillen Tagen – wie Allerheiligen oder Totensonntag – fordert uns auf, ehrlich auf das zu schauen, was wir loslassen müssen. Vielleicht ist es Trauer, vielleicht eine Schuld, vielleicht eine Sorge. Vielleicht auch ein Lebensentwurf, der nicht mehr trägt. Das Loslassen ist kein Versagen. Es ist ein geistlicher Weg.
Ein Baum, der seine Blätter verliert, sieht für eine Zeit kahl und leer aus. Doch innerlich sammelt er Kraft. So können auch wir diese Zeit nutzen, um still zu werden, um Kraft zu schöpfen, um Gott Raum zu geben in unserem Inneren.
Möge Gott uns helfen, loszulassen – mit Vertrauen, wie die Bäume ihre Blätter. Denn im Loslassen liegt die Hoffnung auf neues Leben.
Pater Evodius Miku
Oktober
Weltmission:
Weitergeben und empfangen
Im Oktober begehen wir den Sonntag der Weltmission. - Weltmission? Kein einfacher Begriff.
Worum es geht: was uns geschenkt ist, nicht einfach nur für uns zu behalten, sondern weiterzugeben und zu teilen. Nicht nur materielle Dinge, sondern auch die Hoffnung, das Vertrauen und die Zusage des Lebens, wie sie uns mit der Botschaft des Evangeliums geschenkt sind.
Teilen aber kann nie Einbahnstraße sein. „Mission“, unser Auftrag, heißt immer auch, sich beschenken zu lassen, Andersdenkende und uns fremde Kulturen zu achten, von ihnen zu lernen. Vor allem von den Armen dieser Welt!
Schließlich sagt „Weltmission“, dass es nicht um ferne Lande geht. Wir selbst sind Missionsland, wie P. Alfred Delp schon 1941 gesagt hat: „die deutschen Lande, ein kirchliches Missionsland. Dürftig, dürr und einsam.“
So wird zur zentralen Frage, wie unser aller Beitrag heute aussieht, damit die befreiende Botschaft von der heilenden Gegenwart Gottes, wie sie in Jesus von Nazareth sichtbar und lebendig geworden ist, präsent bleibt in der Zerrissenheit unserer Welt mit all dem Entwürdigenden, was Millionen von Menschen erleben!
Wo uns selbst die frohe Botschaft Jesu gepackt hat und wir dankbar daraus leben, dort wird die Kraft wachsen, die uns in ihrem Sinne leben und mit anderen kämpfen lässt für Gerechtigkeit und Frieden, für die Würde und ein von gegenseitiger Achtung getragenes Zusammenleben der Menschen – für das Reich Gottes also, für das Jesus lebte und starb, um mit seiner Auferstehung zu zeigen, dass darin die Zukunft der Welt liegt.
(Quellenangabe: Bernd Franke SJ, in: Johannes Stoffers (Hg.), Leben im Rhythmus des Kirchenjahres. Verstehen, was wir feiern, © Echter Verlag, Würzburg 2014, S. 94-95.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.)
Hubertus Ilg, Pastoraler Mitarbeiter SE Zwiefalter Alb
September
Wenn der Muezzin ruft, ...
...dann sind wir beim Besuch eines islamisch geprägten Landes beeindruckt, wie das öffentliche Leben für einige Augenblicke innehält, die Radios in den Bars und Straßencafés leise gestellt werden, die Gespräche für Momente verstummen – nur die Touristen plappern munter weiter... Der Muezzin ruft: „Gott ist groß; es gibt keinen Gott außer Gott; ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott; ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist.“ Der Zyklus der Gebetszeiten schenkt dem gläubigen Mohammedaner Momente, die ihn immer wieder aus dem gewohnten Fluss von Zeit und Raum herauskatapultiert und erlaubt, Gott für eine kurze Zeit lang näher zu kommen.
Wenn das Angelusglöckchen läutet....
besonders in katholisch geprägten Gebieten: morgens, zu Beginn des Tages, mittags um zwölf Uhr und abends, zum Tagesabschluss, dann nehmen das nur noch wenige bewusst wahr, oder es wird sogar als lästige, akustische Zeitanzeige empfunden. Die Angelusglocke lädt ebenfalls zum Gebet ein; in der Regel ist das der „Engel des Herrn“, der das Geheimnis der Menschwerdung Gottes betend bedenkt. Schade eigentlich! Das Angelusglöckchen ist ebenfalls eine Einladung, im Getriebe des Tages für ein paar Augenblicke innezuhalten, und seine Gedanken auf Gott hin auszurichten – aber die Geschäftigkeit geht unterdessen unbeeindruckt weiter.
Ora et labora...
„bete und arbeite“ – das Grundprinzip der Benediktsregel, die gegenseitige Durchdringung von Gebet und Arbeit, in dem Maße, dass selbst die Arbeit zum „Gottesdienst“ werden kann, zur größeren Ehre Gottes verrichtet wird - das ist die Weisheit des Maßes, die Benedikt seinen Mönchen anheim stellt. Wir wissen, wie gut es uns tut, vor allem jetzt in den Ferien, für ein paar Tage und Wochen auszuspannen; „Tapetenwechsel“ eröffnet uns neue Räume und Träume, Ruhe und zu sich selbst kommen werden als sehr positiv erfahren; „Entschleunigung“ ist das Gebot unserer schnelllebigen Zeit. Eine ganze Palette von Meditations-“methoden“ sprießt aus dem Boden und lässt Schriftenstände überquellen, Manager suchen Ruhe und Entspannung in Klöstern und oft steht Methode gegen Methode: Arbeitsweltmethode gegen Meditationsmethode – dabei wäre es doch so einfach: immer wieder den Tagesablauf bewusst zu unterbrechen, die Gedanken auf Gott auszurichten, sein Leben, seine Existenz Gott hinzuhalten, zu beten, und das heißt nicht immer viele Worte zu machen, sondern sich einfach in der Stille von seinem Geist durchdringen zu lassen.
Übrigens – ein ökumenisches, ja sogar religionsverbindendes Anliegen...
Das Angelusläuten zu verstehen als eine Gebetseinladung, die konfessionelle und religionsgebundene Grenzen übersteigen kann, wäre eine bedenkenswerte Dimension dieses akustischen Signals, das gläubige Menschen ohnehin verbindet, aber auch eine Einladung an alle anderen ist. Es kommt nicht so sehr darauf an welches Gebet gesprochen wird, sondern darauf, dass der Mensch sich auf Gott, seinen Schöpfer, hin ausrichtet, um seinen Geist und seine Hilfe zu erfahren. Versuchen Sie es einmal!
Pfarrer Sigmund F.J. Schänzle
August
Gesegnete Sommertage
Gott segne
dein Herzbaumeln
da wo es gerade hängt
mit und an denen du hängst
Gott segne
deine Pause
in allen Farben und Formen
Gott segne deine Hängematten-Gefühl-
Orte und Menschen.
Für die Schülerinnen und Schüler starten heute die Sommerferien, für viele Familien die Urlaubszeit.
Wir wünschen allen Schülerinnen und Schülern erholsame Sommerferien, allen Urlauberinnen und Urlaubern eine gesegnete Reise und allen, die da sind, ihren Dienst und ihre Arbeit tun Momente des Herzbaumelns, der Pausen und immer wieder mal auch ein Hängemattengefühl.
Gesegnete Sommertage wünscht das Pastoralteam und Mitarbeiter:innen der Seelsorgeeinheit Zwiefalter Alb
Text: DA-ZWISCHEN Community, Rabea Schilling, in: Pfarrbriefservice.de
Bild: Pixabay
Juli
„Wir bleiben in Verbindung!“ –
Ich beende in diesen Tagen eine längere Fortbildung. Über die letzten zwei Jahre sind wir als Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer bunten Truppe zusammengewachsen und haben viel Persönliches und auch Fachliches miteinander geteilt. Jetzt endet diese Zeit und mit einigen möchte ich natürlich unbedingt in Verbindung bleiben. Das dürfte eigentlich keine Schwierigkeit darstellen, oder? Auf verschiedene Art und Weise ist das möglich – ganz schnell oder etwas langsamer. Wir können uns verabreden und uns treffen oder über´s Telefon, über Mails, WhatsApp, soziale Medien oder ganz „Oldschool“ auch mit Briefen und Postkarten miteinander kommunizieren.
Und trotzdem ist es immer wieder auch eine Herausforderung!
Ich will mir Zeit dafür nehmen, weil es mir wichtig ist. Wir wollen auch weiterhin voneinander hören, was uns bewegt. Wo der Schuh drückt. Was Freude macht. Ich bekomme vielleicht eine Idee, einen Impuls für mich und meine aktuelle Situation und vieles andere mehr. Vielleicht kann ich mal weiterhelfen, oder es tut einfach gut, immer wieder voneinander zu hören. Sich zu sehen, in Verbindung zu bleiben. Im Reden verändern sich Dinge, ergeben sich neue Perspektiven, entstehen Handlungsspielräume. Gespräche und Austausch tun einfach immer gut. Jesus sagt in einem bekannten Vers:
„Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht; ohne mich könnt ihr nichts tun“. (Johannesevangelium 15,5) Er sagt diesen Satz zu seinen Freunden und Freundinnen, und will ihnen damit Mut machen. Er will sagen: Wir können uns nicht verlieren, wir sind und bleiben miteinander verbunden. Und mehr noch. Die Verbindung mit ihm lassen sogar mein Bemühen und Schaffen noch leichter gelingen.
Im letzten Sommerurlaub waren wir in der Pfalz. Dort wird bekanntlich viel Wein angebaut. Wir konnten uns ein Bild davon machen… Vom hölzernen Weinstock, der in der Erde verwurzelt ist. Von den Reben, die im Frühjahr - noch bevor Blätter daran sprießen - von den Weinbauern im typischen Halbrund gebogen werden. Von den Trauben, die über den Sommer an den Reben, die dann voller Blätter sind, wachsen. Von der Weinlese, bei der die Früchte der Arbeit eines Jahres geerntet werden. Und natürlich von dem guten Tropfen, den es dann nach Keltern, Reifezeit und Abfüllen dort zu genießen gibt.
Jesus wählt gerne Bilder des Alltags. Bilder, die ganz einfach verstanden werden. Sie müssen nicht umständlich erklärt werden. Eine Rebe ohne Weinstock, das geht nicht! Da kann ja nichts wachsen! Das ist unmöglich!
Die Rebe hängt ja sonst einfach in der Luft. Sie braucht die Verbindung zum Weinstock, sonst wird sie nicht versorgt. Trauben und Wein wird es so also nicht geben.
Jesus will den Zuhörenden damals und auch uns heute sagen: Die Verbindung zu mir ist so etwas wie eine Grundlage, eine Basis. Sie versorgt uns mit dem, was wir zum Wachsen brauchen, so kann sich in unserem Leben etwas entwickeln - so können wir uns entwickeln. Damit wir als Christen überhaupt Salz der Erde und Licht für diese Welt sein können. Damit wir Kraft und Hoffnung für unseren Alltag haben, und Gottes Liebe spüren und sie auch weitergeben können.
Vielleicht können wir dann die Grenzen unserer eigenen engen Sicht immer wieder einmal überwinden. Wir entwickeln dabei Weitsicht, nicht nur an uns und unsre eigenen Bedürfnisse zu denken. So vergessen wir die anderen nicht!
Diese Verbindung bleibt lebendig und kraftvoll durch mein Gebet, mein Innehalten. Ein Wort, Seufzer, ein Gedanke, eine Klage, ein Lob und meine Freude über so vieles, was mir geschenkt ist. Da möchte ich auch die Menschen „mit-hineinnehmen“, die mir durch Herz und Sinn gehen. Meine Lieben, und die mir Anvertrauten. Die in Not gekommenen, die Geschundenen und die in Verantwortung für Welt und Gesellschaft stehen. Diejenigen, die mein Gebet brauchen!
Gottesdienste, das können feste Termine für Gebete sein, aber es braucht daneben auch neue Ideen, wo und wie ich mein Gebet verankern kann. Die Glocken unserer Kirche können eine solche Einladung sein. Das tägliche Läuten am Morgen oder am Abend. Vielleicht auch eine ganz andere Zeit, die gut in den Alltag passt. Jeder und jede hat andere Zeitfenster, die sich dafür eignen können.
Mit Jesus in Verbindung bleiben – das klingt anstrengend? Ja und nein!
Ja, es braucht selbstverständlich meinen Willen dazu, und meine Energie, die Verbindung mit Gott aufrecht zu erhalten. Aber ich erlebe auch, wie mich diese Augenblicke und Zeiten des Innehaltens stärken und mutiger machen. Ein neuer Impuls, ein anderer Gedanke, eine Idee – und ich gehe weiter, anders. Oft Gelassener. Und ich kann mich immer wieder vergewissern, dass ich noch immer auf dem Weg bin – belgeitet und gestärkt und noch immer fröhlich. Und ich muss nicht weit gehen. Es ist auch nicht kompliziert.
Nelly Sachs hat einmal gesagt: „Gott ist ein Gebet weit von uns entfernt“.
Das klingt doch gut, oder?
Ich wünsche Ihnen und Euch gute Verbindungen! Ihre Patricia Engling (Gemeindereferentin)
Juni
Die Menschen hatten damals noch alle dieselbe Sprache und gebrauchten dieselben Wörter.
Als sie nun von Osten aufbrachen, kamen sie in eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an.
Sie sagten zueinander: »Ans Werk! Wir machen Ziegel aus Lehm und brennen sie!« Sie wollten die Ziegel als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel.
4 Sie sagten: »Ans Werk! Wir bauen uns eine Stadt mit einem Turm, der bis an den Himmel reicht! Dann wird unser Name in aller Welt berühmt. Dieses Bauwerk wird uns zusammenhalten, sodass wir nicht über die ganze Erde zerstreut werden.«
Da kam der HERR vom Himmel herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die sie bauten.
Als er alles gesehen hatte, sagte er: »Wohin wird das noch führen? Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Wenn sie diesen Bau vollenden, wird ihnen nichts mehr unmöglich sein. […]«
Und dann sagte er: »Ans Werk! Wir steigen hinab und verwirren ihre Sprache, damit niemand mehr den anderen versteht!«
8 So zerstreute der HERR sie über die ganze Erde und sie konnten die Stadt nicht weiterbauen.
9 Darum heißt diese Stadt Babylon – Verwirrung denn dort hat der HERR die Sprache der Menschen verwirrt und von dort aus die Menschheit über die ganze Erde zerstreut.
Gen 11,1-9
Turmbau zu Babel
Der Turmbau zu Babel, ein Sinnbild für Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und Arroganz – etwas, das Ende nur schiefgehen kann.
In Gen 11,1-9 wird von einer Menschheit erzählt, die ein einziges Volk ist, eine gemeinsame Sprache spricht und große Pläne realisieren will: Mit Energie und Phantasie wollen sie einen gewaltigen Turm bauen, der bis zum Himmel geht – ein Bild für ihr Bemühen, es Gott gleich zu tun.
Sie wollen hoch hinaus, immer besser, immer weiter.
Sie wollten sich ein Denkmal setzen und sich unvergesslich machen. Ob es ihn wirklich gegeben hat, diesen Turm, ist umstritten – spielt aber meines Erachtens auch keine Rolle, wenn wir nach dem Sinn dieser Erzählung fragen.
Im biblischen Kontext findet sich die Erzählung vom Turmbau zu Babel gleich nach der Sintfluterzählung. Noah wurde mit seiner Familie und den auf der Arche mitgenommen Tieren gerettet. Sie breiten sich aus in den damals bekannten Teilen der Erde und nun kommt die Angst, dass ihnen diese neue Vielfalt gefährlich werden kann: Ihre Reaktion darauf ist der Turmbau. Sie bauen einen Turm, bauen Mauern, wollen alle in einer Sprache sprechen, Uniformität und Einheit.
„Dieses Bauwerk wird uns zusammenhalten, sodass wir nicht über die ganze Erde zerstreut werden.“
Alle Hoffnung auf eine einheitliche und uniforme Zukunft legen sie in ihren Turm, in ihre neue Stadt.
Nun, eigentlich nichts Verwerfliches, oder?
Gemeinsam auf etwas stolz sein können – das eint die Menschen, vereint Vereine, Mannschaften und Fans, vereint Kirchengemeinden und Betriebe. Das ist gut, wichtig und richtig.
Doch es gibt eine Grenze – so auch in der Geschichte vom Turmbau zu Babel, die wir vorhin gehört haben. Nämlich dort, wo Motivation und Ansporn zu Größenwahn werden und Größenwahn – so der Autor der biblischen Geschichte – beginnt da, wo man sich an die Stelle Gottes setzen will.
Fast schon humorvoll reagiert Gott auf diesen Wahn: Einen riesigen Turm wollen sie bauen, bis in den Himmel und Gott sagt: „Ihr denkt, ihr habt mich schon erreicht? – Da komm ich erstmal runter!“.
Gott zerstört diesen Turm, zerstört die Idee von Einheit und Uniformität.
Was für ein Skandal:
Die Menschen der Urgeschichte, die alles richtigmachen wollen, eins und gleich werden wollen, werden in ihrem Ansporn, ihrer Motivation und ja, vielleicht auch in ihrem Größenwahn jäh unterbrochen. Dabei ist ihr Wunsch, ihre Sehnsucht dahinter doch so gut nachzuvollziehen:
- Wenn alles einheitlich wäre, gäbe es keinen Streit.
- Wenn wir alle gleich wären, gäbe es keine Diskussion.
- Wenn alles uniform wäre, müsste man nichts entscheiden – alles wäre klar!
Wenn es doch so einfach wäre. Damals, wie auch heute.
Überall dort, wo Menschen aufeinandertreffen, wo Gemeinschaft gelebt wird – ob im Verein, in der Kirchengemeinde, in der Gemeinde, in Schule und Arbeitsleben, gibt es doch genau das:
- Die Sehnsucht nach weniger Diskussion und Streit
- Die Hoffnung auf Einigkeit
Ist das nicht so?
Ich hoffe und denke, dass viele von Ihnen spätestens jetzt an dem Gedanken angekommen sind und sich fragen, ob das überhaupt realistisch ist. Ist es nicht und es ist auch gut so!
- Es ist gut, dass es die Diskussion, manchmal auch den Streit gibt, denn – solange es um die Sache geht – steckt dahinter ein ehrliches Ringen um die beste Lösung, den besten Weg.
- Es ist gut, dass es Menschen gibt, die unterschiedliche Sprachen sprechen, denn nicht jede und jeder versteht jede Sprache. Manchmal braucht es klare Worte, manchmal aber auch eine hohe Sensibilität in dem, was man wann und wie sagt.
In der Geschichte vom Turmbau zu Babel wird der großen Einheit, der Uniformität – ja ich würde auch sagen der Totalität – von Gott ein Ende gesetzt. So hat er seine Erde, seine Menschen nicht gewollt und nicht geplant. Es soll uns so geben wie wir sind, jede und jeder mit seinen eigenen Talenten, mit seinen Fähigkeiten und auch seinen und ihren Unfähigkeiten. Denn nur so können wir uns ergänzen und können miteinander vieles schaffen.
Was wäre eine Fußballmannschaft, die nur aus Torwärterinnen oder Torwärtern besteht?
Dort, wo Menschen gemeinsam unterwegs sind, kann so vieles gelingen. Nicht indem wir Uniformität und Totalität fördern, sondern indem Vielfalt, Dialog und auch Kompromissbereitschaft in den Mittelpunkt gestellt wird.
Am kommenden Wochenende feiern wir Pfingsten und genau das ist es auch, was uns viele Jahrhunderte später auch die Botschaft des Pfingstwunders sagen möchte:
- Wenn es uns gelingt, trotz der Vielfalt von Menschen, Sprachen und Ideen uns gegenseitig zu verstehen, miteinander zu reden und zu ringen – das ist Pfingsten.
- Wenn es uns gelingt, trotz unterschiedlicher Traditionen in Kirche und Gesellschaft zusammenzustehen und gemeinsam an einen Tisch zu sitzen – das ist Pfingsten.
- Wenn es uns gelingt, trotz unterschiedlicher Herangehensweisen und Meinungen im Vereinsleben uns gegenseitig zu stützen und zu schützen – das ist Pfingsten.
- Wenn es uns gelingt, auch gegensätzliche Meinungen zu sehen und zu hören, und gemeinsam um einen Kompromiss ringen – das ist Pfingsten.
Denn Pfingsten ist überall dort, wo wir versuchen einander zu verstehen. Wo wir sehen, dass es Menschen gibt, die eine andere Sprache sprechen, die anders denken als ich und trotzdem daran glauben, dass es die Gemeinschaft ist, die vieles ermöglicht.
Pastoralreferentin Maria Grüner
Mai
„Erblühen“
Der Mai ist ein Monat des Erblühens. Während die Natur um uns herum in voller Pracht erblüht, können wir auch in unserem Inneren die Einladung spüren, neu zu wachsen und zu gedeihen. Die Tage werden länger, das Licht wird intensiver und die Farben der Pflanzen erinnern uns daran, dass das Leben voller Möglichkeiten ist.
Erblühen bedeutet, das eigene Potenzial zu entfalten und das zu leben, was in uns angelegt ist. Es ist die Zeit, in der Träume und Visionen Gestalt annehmen können, wenn wir bereit sind, den ersten Schritt zu wagen. Wie die Blumen, die sich der Sonne entgegen strecken, so dürfen auch wir uns dem Licht des Glaubens und der Liebe öffnen.
In dieser Zeit des Erblühens sind wir eingeladen, unsere Beziehungen zu pflegen und neue Verbindungen zu knüpfen. Vielleicht gibt es Menschen in unserem Leben, die wir vernachlässigt haben oder Freundschaften, die auf einen Neuanfang warten. Mai ist der perfekte Monat, um diese Bande zu stärken und in Gemeinschaft zu wachsen.
Lasst uns auch darauf achten, wie wir selbst erblühen können. Gibt es Hobbys oder Leidenschaften, die wir neu entdecken möchten? Gibt es Talente oder Fähigkeiten, die wir besser nutzen wollen? In der Ruhe und der Freude des Frühlings dürfen wir uns inspirieren lassen, nach innen zu schauen und das Beste in uns zum Vorschein zu bringen.
Möge der Mai ein Monat des Erblühens für uns alle sein. Lassen wir uns von der Schönheit der Natur anstecken und ermutigen, unsere eigene Blütezeit zu erleben. Wenn wir uns im Glauben, in der Gemeinschaft und in unserem persönlichen Wachstum entfalten, können wir das Licht, das in uns brennt, umso heller strahlen lassen.
Pater Evodius Miku
April
„Osterlächeln“
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich lese die Tageszeitung immer von hinten nach vorne, also vom Ende her. In der Regel führt das dann dazu, dass ich gleich zu Beginn meiner Lektüre auf die Todesanzeigen stoße.
Diese Todesanzeigen sind normalerweise zusätzlich zu den sachlichen Angaben über die verstorbene Person immer auch garniert mit mehr oder weniger frommen oder religiösen Trauersprüchen. Sehr häufig liest man da von dem Platz, den die verstorbene Person in der Mitte oder in den Herzen der Lebenden behalten möchte, über den eigenen Tod hinaus, oder oft auch von dem Lächeln als dem schönsten Geschenk, das man bei seinen Lieben hinterlassen möchte. Immer wieder klingt da die Hoffnung an, dass man doch irgendwie noch weiterleben möchte nach dem Tod. Damit der Tod dann doch nicht so ganz das Ende bedeutet und es doch noch irgendwie weitergeht. Denn ganz ehrlich, wer möchte denn schon so ganz endgültig gehen?
Und tatsächlich: immer wieder spüre ich, wenn ich an verstorbene Menschen denke, dass sie auch lange über ihren Tod hinaus immer noch einen festen Platz bei mir haben und manchmal habe ich dann auch ein Lächeln im Gesicht, wenn ich mich an bestimmte Ereignisse oder Situationen mit ihnen zurückerinnere.
Verglichen mit den Todesanzeigen in den heutigen Zeitungen war die Anschlagtafel damals am Kreuz Jesu deutlich nüchterner verfasst. Da stand nur: „INRI“ - also quasi Name und Stellung oder Funktion. Jesus der Nazoräer, König der Juden. Besonders gehaltvoll und schmeichelhaft war dieser Text nicht, der da am Kreuz angebracht wurde als eine Art Todesanzeige von damals. Doch auch Jesus hat uns schon zu seinen Lebzeiten eigene Botschaften mitgegeben, die Aussagen enthalten über die Zeit nach seinem Tod: „Tut dies, so oft ihr es tut, zu meinem Gedächtnis“. Oder auch: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Oder das berühmte: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende dieser Welt“. Jesus spricht in diesen Aussagen von seiner bleibenden Gegenwart über seinen irdischen Tod hinaus.
Wir Christen feiern an Ostern einen neuen Anfang nach dem vermeintlichen Ende. Wir vertrauen darauf, dass das Leben eben gerade nicht mit dem Tod endet, sondern wir freuen uns auf ein Leben nach dem Tod, auf ein Leben in Fülle. Diese Hoffnung ist also in den vielen Todesanzeigen offenbar auch gar nicht anders, egal ob die Verstorbenen religiös waren oder nicht. Offensichtlich teilen auch nichtreligiöse Menschen diese Hoffnung auf ein irgendwie geartetes Leben nach dem Tod.
Jesus ist uns mit seinem Tod vorausgegangen. Wie bitter muss das damals für die Jünger gewesen sein, als sie plötzlich mit dieser Situation konfrontiert waren? Alles, was ihnen wichtig war und woran sie geglaubt haben, war plötzlich dahin. Das, wofür sie ihr altes Leben aufgegeben hatten, war mit dem Tod am Kreuz zerstört.
Die Jünger haben damals noch nicht begriffen, was da genau vorgefallen ist - und uns wäre es nicht anders ergangen. Jesu Tun und Wirken war für sie ja oftmals nicht verständlich, seine Botschaften für sie oft nicht klar.
Vielleicht tut sich hier ja eine Parallele auf zu der Eingangs erwähnten Zeitungslektüre, denn auch das Leben Jesu muss man vom Ende her betrachten und lesen um vieles verstehen zu können, was vorher unklar war. Erst vom Ende her betrachtet erschließt sich vieles, was Jesu zu Lebzeiten getan und an Botschaften formuliert hat. Erst von seinem Ende her, das durch seine Auferstehung zu einem Neuanfang wurde, zeigt Jesu Leben und Wirken seinen ganzen Sinn.
Wenn wir jetzt in den verbleibenden Tagen dieser vorösterlichen Bußzeit auf Ostern zugehen, könnte uns dabei vielleicht ein Gedanke begleiten: Wie ist das denn bei uns selbst mit Jesus? Hat er bei uns wirklich einen Platz in unserer Mitte oder in unseren Herzen? Hinterlässt er tatsächlich ein Lächeln in unseren Gesichtern, wenn wir an ihn denken?
Als Maria Magdalena und die anderen Frauen frühmorgens in ihrer Trauer zum Grab kamen und die Botschaft erhielten, er sei von den Toten auferstanden und als die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus ihm begegneten und ihn erkannten, als er das Brot brach, da stelle ich mir vor, wie sehr sich ihre Trauer und Ihre Niedergeschlagenheit schlagartig in eine riesengroße Freude und Erleichterung verwandelt haben müssen, ein Glücksgefühl so groß, dass ihnen das Herz brannte. Ohne Verzögerung machen sie sich allesamt sofort zurück auf den Heimweg zu den anderen, um diese frohe Botschaft zu verkünden und in alle Welt zu tragen. Sie werden dabei nicht nur ein beseeltes Lächeln in ihren Gesichtern gehabt haben, sondern sie werden von innen heraus gestrahlt haben vor lauter Glück, Freude und Erleichterung. Denn ab jetzt ist klar: Jesus hat den Tod besiegt. Jesus lebt!
Dass sich ein solches „Osterlächeln“ auch in unseren Gesichtern einstellen kann, wünsche ich uns an diesem kommenden Osterfest. Vielleicht können wir es ja sogar zu einem neuen Osterbrauch einüben, jenseits von Schokoladenhasen und Ostereiern.
Hubertus Ilg, Pastoraler Mitarbeiter SE Zwiefalter Alb
Februar
Weihnachten im Februar?
Das Weihnachtsfest ist in Geschäften, im Radio und Fernsehen mit dem 26. Dezember oft schlagartig zu Ende, während in unseren Kirchen und auch in vielen Wohnzimmern die Krippen und die Christbäume noch immer stehen… oft noch bis zum 02. Februar. Wie ist das bei Ihnen?
Bei uns steht der Baum noch. Und ja, er nadelt und hängt auch schon ein wenig seine Flügel. Die Jugendfeuerwehr, die neulich Bäume abholen wollten, mussten wir enttäuschen. Unser Baum steht, wenn es möglich ist, tatsächlich bis zum Tag „Mariä Lichtmess“. Welchen Grund gibt es dafür? Weihnachten wurde früher 40 Tage lang gefeiert und dieser Feiertag bildete den Abschluss. Es entwickelte sich der Brauch, die Kerzen des ganzen Jahres in diesem Gottesdienst zu segnen und auch Lichterprozessionen durchzuführen. Im Evangelium wird von Simeon und Hanna erzählt, zwei hochbetagten Menschen, die wach und voller Vertrauen sind. Sie wissen, dass sie den Messias noch sehen, bevor sie sterben werden. Und tatsächlich - beide begegnen Maria und Josef, die ihren kleinen Jesus in den Tempel bringen, wie es das jüdische Gesetz vorschrieb.
Seit der Liturgiereform 1960 wurde das Ende der Weihnachtszeit auf das Fest Taufe des Herrn vorverlegt und auch umbenannt in „Darstellung des Herrn“. Jesus wird von seinen Eltern in den Tempel gebracht („dargestellt“). Es ist ein Christusfest - und kein Marienfest, das wollte man damit deutlich machen. Für viele heißt der Tag aber bis heute „Mariä Lichtmess“ und Krippe und Baum bleiben einfach so lange stehen.
Vielleicht fragen Sie sich, was also fange ich jetzt mit diesem Wissen an? Meine Gedanken dazu sind folgende: Auch wir feiern heute immer noch 40 Tage lang Weihnachten – wir fangen nur leider schon Ende November damit an… Schade eigentlich, denn so geht auch irgendwie der Advent verloren. Dabei wissen doch alle, dass Feste nicht vorgefeiert werden, das tut doch bei einem Geburtstag auch niemand. Manche sagen sogar, dass es Unglück bringen würde… Große Feste werden nachgefeiert – gerne und ausgiebig. Weihnachten ist nun wirklich bemerkenswert: Die Geburt Jesu wird von einem Engel angekündigt, ganze Heerscharen von Engeln verkünden den Hirten die Botschaft seiner Geburt, Weise Sterndeuter aus dem Osten besuchen den neugeborenen Jesus und haben wertvolle Geschenke dabei. Das alles ist ganz schön außergewöhnlich, wie es im Lukas- und im Matthäusevangelium nachzulesen ist. Und trotzdem tun Maria und Josef, was ihnen das Gesetz vorschreibt. Sie hätten aufgrund dieser Umstände auch sagen können: Wir sind die Auserwählten, für uns gelten solche Regeln nun nicht mehr. Sie „heben“ nicht ab, sie bleiben auf dem Teppich. Sie reihen sich ein, wollen keine Sonderbehandlung, tun das, was vorgesehen ist.
Was heißt das jetzt für uns? Den Alltag mit seinen Routinen wertschätzen. Das, was so Gewöhnlich ist einfach tun, damit das Außergewöhnliche und das Besondere werden kann. Ich will nicht denken, dass ich aufgrund meines Glaubens schon was Besseres wäre… auch dann nicht, wenn bei mir der Christbaum und Krippe noch stehen, wenn für viele Weihnachten schon lange, lange vorbei ist.
Es grüßt Sie ganz herzlich Patricia Engling, Gemeindereferentin
Bild: Pfarrbriefservice.de
Januar
Ein gutes neues Jahr!
Gute Wünsche fürs neue Jahr begegnen uns in diesen Tagen überall. Wir wünschen uns Gutes!
„Mal schauen, was es bringt“ – kommt das ein oder andere Mal als Antwort.
Bringt es Gutes? Ich wünsche es Ihnen und uns allen.
Bringt es Herausforderndes?
Bringt es Veränderungen?
Der Weg ist ungewiss. Das Buch für das Jahr 2025 noch unbeschrieben.
Nun gilt es die Seiten zu füllen, mit alldem, was kommt.
Nun gilt es den Weg zu gehen, bergauf, bergab, in Begleitung, ein Stück alleine, vielleicht auch über Hindernisse.
Hermann Hesse schreibt in einem seiner berühmtesten Gedichten:
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten.“
Das Gedicht umschreibt das Leben – es geht um Anfang und Ende, Jugend und Alter, Liebe und Verlust. „Heiter“ sollen wir Raum um Raum durchschreiten, den Zauber des Anfangs in den Blick nehmen und die Chancen sehen in dem unbeschriebenen Buch, in den leeren Seiten, die gefüllt werden wollen. Von mir, von Dir, von Ihnen.
Ein gutes neues Jahr!
Maria Grüner, Pastoralreferentin
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Hermann Hesse, Stufen.
Dezember
Der Dezember ist eine Zeit des Wartens, der Hoffnung und des Lichtes.
Im Dezember, wenn die Welt in ein sanftes Licht getaucht wird und die Vorfreude auf Weihnachten spürbar ist, stehen wir in einer besonderen Zeit des Wartens. Der Advent ist nicht nur eine Zeit des Zählens der Tage bis zum Fest, sondern auch eine Einladung, über das Warten selbst nachzudenken.
Warten kann oft eine Herausforderung sein. In einer schnelllebigen Welt, in der wir sofortige Ergebnisse und Antworten erwarten, kann das Warten frustrierend erscheinen. Doch im Advent lernen wir, dass Warten auch eine tiefere Bedeutung hat. Es ist eine Zeit der Vorbereitung, des Innehaltens und des Nachdenkens. Wir warten auf das Licht, das in die Welt kommt – das Licht, das Hoffnung bringt und die Dunkelheit vertreibt.
In der Dunkelheit des Winters, wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind, sehnen wir uns nach Licht. Dieses Licht ist nicht nur physisch, sondern auch spirituell. Es ist das Licht der Hoffnung, das uns daran erinnert, dass nach jeder Dunkelheit ein neuer Morgen kommt. In Jesaja 9,2 heißt es: „Das Volk, das im Dunkeln wandelt, sieht ein großes Licht; und über denen, die im Land der Finsternis wohnen, scheint ein Licht.“ Dieses Licht ist Jesus Christus, der in unsere Welt kommt, um uns zu führen und zu erleuchten.
Weihnachten ist das Fest der Hoffnung. Es ist die Feier der Ankunft des Erlösers, der uns zeigt, dass wir nicht allein sind. In einer Zeit, in der viele Menschen mit Sorgen und Ängsten kämpfen, dürfen wir die Botschaft von Weihnachten weitertragen: Es gibt Hoffnung, es gibt Licht, und es gibt Liebe.
Lasst uns in dieser Adventszeit die kleinen Lichter um uns herum wahrnehmen – die Kerzen, die wir anzünden, die Lichter, die unsere Städte erhellen, und die Wärme der Gemeinschaft, die wir miteinander teilen. Diese Lichter sind Zeichen der Hoffnung, die uns daran erinnern, dass wir gemeinsam auf dem Weg sind.
Pater Evodius Miku
November
Viele Menschen mögen ihn nicht besonders, diesen oft als dunkel, nass und kalt empfundenen Monat zum Jahresende hin. Besonders dann, wenn der Oktober noch „golden“ war und vielleicht noch einmal schöne und warme Herbsttage geliefert hat. Wenn dann am letzten Oktobersonntag die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden auf Normalzeit, dann fällt der Vorhang der Dunkelheit noch früher und man empfindet den November dann besonders schwermütig und trist.
Könnte man.
Man kann aber auch einen anderen Blick auf den November haben. Denn ich persönlich empfinde diesen Monat als besonders reizvoll. Wenn man die Hitze und die Schwüle des Sommers endlich hinter sich gelassen hat, beginnt irgendwie auch wieder ein entspannteres Leben für viele. Zum Jahresende kommen Natur und Mensch zur Ruhe, eine wichtige Zeitspanne im Jahreslauf, um herunterzufahren und wieder zu regenerieren. Auch wir Menschen brauchen diese Zeiten. Jetzt ist die Zeit für eine Kerze und ein Buch, für gemütliche Abende im Familien- oder Freundeskreis (vielleicht auch mit einem guten Essen) oder für einen Kino- oder Fernsehabend.
Der November ist aber auch im kirchlichen Leben sehr reichhaltig. Es ist der Monat des Totengedenkens. In der Liturgie hören wir die Ankündigungen der Endzeit. Gleich zu Beginn des Monats feiern wir Allerheiligen. Alle Heiligen! Die, die uns beispielhaft im Glauben vorangegangen sind und zur Ehre der Altäre erhoben wurden, sind uns an die Seite gestellt. Einen Tag später, an Allerseelen, gedenken wir all derer, die wir selbst schon zu Grabe getragen haben. Aller Seelen! Auch sie sind uns Begleiter in unserem Leben. Es zeigt uns: wir sind auf unserem Weg nicht allein. Viele sind ihn vor uns gegangen und viele gehen ihn mit uns.
Oftmals ergeben sich bei den Gräberbesuchen an diesen Tagen schöne Begegnungen, wenn Menschen zurück in die Heimat zu den Gräbern ihrer Vorfahren zurückkommen. Oft sind das die einzigen Begegnungen mit diesen Menschen im Jahr. Und in den Gesprächen werden immer wieder schöne Erinnerungen wach an unsere Verstorbenen. Oft empfinde ich da einen großen und aufgeräumten inneren Frieden, eine Gelassenheit und Dankbarkeit.
Am 3. November steht dann bereits mein eigener Namenspatron im Vordergrund und mit den schön gestalteten „Hubertusmessen“ und den Jagdhornbläsern erhält die Schöpfung eine besondere Würdigung und dieser Tag immer eine besondere Prägung. In der Mitte des Monats, am 11. November, gedenken wir dann auch noch des Heiligen Martins, unseres Diözesanpatrons. Einem, der trotz großer Kälte seinen Mantel teilt. Viele wunderbare Geschichten und Bräuche sammeln sich um diesen Tag. Die Kinder gehen mit ihren meist selbstgebastelten Laternen zu den Martinsspielen und zu den Laternenumzügen und singen die Martins- und Laternenlieder. Martinimärkte und Martinsgänse gehören ebenfalls zu diesem Fest. Gleichzeitig wird auch noch die „fünfte Jahreszeit“, die Fastnacht eröffnet.
Wenn dann auch noch der weltliche Volkstrauertag sowie Buß- und Bettag und Totensonntag unserer evangelischen Mitchristen gefeiert werden und der Monat seinem Ende zugeht, feiern wir Katholiken noch am letzten Sonntag im Kirchenjahr den Christkönigssonntag. „Christ A und O der Welten“ singen wir da und auch „Ein neues Zion leuchtet“. Und damit geht dann auch das Kirchenjahr zu Ende und wir blicken schon in Vorfreude auf den ersten Sonntag im neuen Kirchenjahr, den Ersten Adventssonntag, der frühestens auf Ende November fallen kann. Mit ihm beginnen wir immer das neue Kirchenjahr und speziell in diesem Jahr gibt es dazu auch einen weiteren Neubeginn: denn am Ersten Adventssonntag 2024 findet in Rottenburg die Bischofsweihe unseres künftigen Diözesanbischofs statt.
Da sind wir dann allerdings bereits schon im Dezember.
Der November also ein trüber Monat? Für mich ganz gewiss nicht.
Hubertus Ilg, Pastoraler Mitarbeiter SE Zwiefalter Alb
August
Unterwegs zu sein macht Spaß!
Neues sehen schafft Abwechslung, Reisen schenkt Erholung und vor allem neue Eindrücke. Das macht meinen Horizont und vor allem mein Denken weit.
Und wenn wir mal ehrlich sind, reden wir auch sonst im Jahr gern und viel darüber, wo wir waren, wo wir gern mal hinmöchten und was wir als Nächstes planen.
Nicht umsonst sind die Statusmeldungen meiner Bekannten und Freund*innen immer dann besonders voll…
Wir machen uns auf – verlassen die vertrauten Umgebungen: lassen Trott und Routine hinter uns, um in 50, 300, 1000 oder noch mehr Kilometern Entfernung aufzutanken oder abzuschalten. Es zieht uns in die Sonne, ans Meer, in die Berge. Wohin bist du unterwegs in diesem Jahr?
Was reizt dich? Abenteuer oder Langeweile? Das Vertraute oder das Fremde?
Jeder und jede versteht unter Urlaub etwas ganz Individuelles.
Ausspannen, Sommer, Sonne, Strand oder Berge – ganz nach Geschmack – leckere Eiscreme, ein gutes Glas Wein, tolle Abenteuer, Vergnügen pur und den Kopf ausschalten?
Dazu passt, dass Ferien im englisch sprachigen Raum „holidays“ heißen: holy days: heilige Tage.
Also heilige Tage zum Werden, zum Gesunden.
Das Wort Urlaub kommt übrigens von „erlauben“ – im Urlaub da können wir uns DAS oder JENES erlauben, da sind wir frei!
Einmal nichts tun und nur sein, nur erleben und nicht gleich wieder auf das nächste Ziel zugehen. Im Augenblick sagen zu können: „Verweile doch, du bist so schön!“
Sich das wieder einmal zu erlauben, oder zu üben, das wäre ein wunderschönes Urlaubsziel – auch noch nach jedem Urlaub.
Es geht also nach jedem Urlaub auch darum, sich neue Ziele zu suchen, wann auch immer sie erreichbar werden, aber sie in den Blick nehmen, darauf zu sparen, sich zu freuen, sich für ein Gelingen einzusetzen. Und warum soll das nicht auch mit leichterem Gepäck möglich sein?
Wäre es nicht super, wir würden uns auch im Alltag genügend Zeit für uns nehmen?
Sozusagen jeden Tag „frisches Wasser“ trinken und es nicht aufsparen für Urlaubszeiten?
Dann könnte man den Urlaub auch so verstehen, dass er uns neue Impulse für den Alltag gibt, dass wir neue Lebensmöglichkeiten ausprobieren und sie dann mit nach Hause nehmen oder ganz einfach im Alltag beibehalten.
So eine Sehnsucht wünsche ich uns, denn sie ist spannender und verlockender als der schönste Urlaubsort.
Und hier noch zwei Urlaubstipps…
Urlaubstipp Nr. 1
Nutze das Fremde, das Neue und lass es nicht nur im Urlaub. Bringe mindestens eine neue Erfahrung, eine Sache in deinen Alltag mit zurück!
Urlaubstipp Nr. 2
Setze dich gedanklich neben Gott in den Liegestuhl und betrachte die Schöpfung! Steige auf Berge und bewundere die Welt! Freu dich an der Vielfalt! Was auch immer deine Art ist, Urlaub zu verbringen: nutze die Zeit, um Gottes Schönheit zu entdecken und ihn mindestens einmal am Tag dafür zu loben.
Patricia Engling Gemeindereferentin Bild: Pfarrbriefservice
Juli
„Was willst Du, dass ich dir tue?“ – unter diesem Leitsatz aus dem Lukasevangelium (Lk 18,41a) wurden am 27. Juni 2024 sechs neue Pastoralreferenten:innen für den Dienst in unserer Diözese beauftragt.
Junge Menschen, die sich auf den Weg machen in die Kirche, in die Gemeinden, in die Arbeit mit und für die Menschen.
Die Bibelstelle, die sie sich für ihre Beauftragung ausgesucht haben stammt aus dem Lukasevangelium:
35 Jesus kam in die Nähe von Jericho, da saß ein Blinder an der Straße und bettelte. 36 Er hörte, dass viele Menschen vorbeigingen, und fragte: Was hat das zu bedeuten? 37 Man berichtete ihm: Jesus von Nazaret geht vorüber. 38 Da rief er: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! 39 Die Leute, die vorausgingen, befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! 40 Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Als der Mann vor ihm stand, fragte ihn Jesus: 41 Was willst du, dass ich dir tue? Er antwortete: Herr, ich möchte sehen können. 42 Da sagte Jesus zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet. (Lk 18,35-42)
Jesus wird gerufen und um Hilfe gebeten.
Und Jesus fragt: „Was willst Du, dass ich dir tue?“ Dabei ist es doch eigentlich offensichtlich. Der Mann ist blind, er will sehen, er will geheilt werden. Genauso wie die vielen Menschen, die davor schon von Jesus geheilt wurden – davon hatte er bestimmt gehört, sonst hätte er ja nicht nach Jesus gerufen.
In der Nachfolge Jesu stehen wir alle als getaufte Christinnen und Christen. Es ist auch an uns zu fragen: „Was willst Du, dass ich dir tue?“. Wer heilsam für die Menschen da sein möchte, muss fragen, was sie brauchen, und nicht nur das tun, was man immer schon macht. Vielleicht ist das auch ein Weg für unsere Kirche, für uns Christen: Ehrlich fragen, hören und dann tun!
PR Maria Grüner
Bild: Pixabay
Juni ist da
Dinge ändern sich im Sommer, auch in unserer Gegend. Während dieser Zeit gibt es viele Aktivitäten. Einige pflanzen, einige angeln, einige planen ihren Urlaub usw. Menschen, die wir den ganzen Winter nicht gesehen haben, erscheinen wieder, tauchen wieder auf; Familien beginnen zu besuchen; die Kapelle oder Kirche und das Esszimmer sind voll mit alten Freunden und neuen Besuchern, die nur auf der Durchreise sind.
Im Juni ist es Zeit um die kalten und dunklen Flecken des Lebens abzuwerfen. Das Leben ist jetzt physisch einfacher und spirituell voll von Möglichkeiten. Wärme wird zu einer Lebenseinstellung, die uns für neue Menschen und neue Erfahrungen öffnet; Blumen konfrontieren uns mit unserer Verantwortung für die Schönheit.
Juni ist der Monat, der uns aus unseren Häusern, aus uns selbst herausholt, um eins mit der Natur zu werden. Er trägt uns hinauf in den Lärm des Lebens, in die Wärme des Lebens, in die Gemeinschaft des Lebens. Setzen Sie sich auf Ihre Türschwellen; machen Sie einen ziellosen Spaziergang die Straße hinunter; pflanzen Sie eine Blume in einen kleinen Topf. Seien Sie eine Hommage an die Schöpfung. Seien Sie ein Teil des Chores des Lebens.
Oder versuchen Sie dies dreißig Tage lang im Stillen zu jedem und allem zu sagen, was Sie sehen und sehen Sie, was mit Ihrer eigenen Seele geschieht; „Ich wünsche Ihnen jetzt Glück bei allem was Ihnen die Zukunft bringen wird.“ Wenn wir es zum Himmel sagen würden, müssten wir aufhören, die Umwelt zu verschmutzen; wenn wir es zu kleinen Kindern sagen würden, müssten wir aufhören, sie zu missbrauchen, selbst im Namen des Trainings und Erziehung. Wenn wir es zu Menschen sagen würden, müssten wir aufhören, das Feuer der Feindseligkeit um uns herum zu schüren. Schönheit und Menschliche Wärme würden in uns Wurzeln schlagen wie ein klarer, heißer Junitag. Wir würden uns ändern.
Ich wünsche euch allen eine gesegnete Sommerzeit.
P. Miku
Marienmonat Mai
Der Monat Mai ist der Monat, in dem die Kirche die Gottesmutter besonders ehrt. Religions- und kulturgeschichtlich ist es ein bemerkenswertes Phänomen, dass mit Maria eine Frau eine so prominente Stellung in einer der drei großen monotheistischen Religionen erhielt.
Maria verkörpert in der Frömmigkeitsgeschichte und auch heute immer den Zugang des Volkes, gleichsam von unten, zu ihrem Sohn. Die Quellen über sie sind spärlich. Sie sprechen von dem unfassbaren Abenteuer eines jungen jüdischen Mädchens, das abseits der großen Welt den Sohn Jesus zur Welt brachte. Ihn, der einmal die Welt verändern sollte, zog sie gemeinsam mit Josef auf.
Sie war wohl eine Mutter, wie sie uns allen aus dem normalen Leben auch vertraut ist. Mit gelegentlichen Ermahnungen, mit einem Lächeln, mit den mütterlichen Erwartungen an ihren Sohn, mit Unverständnis für seine Handlungen, die manche Regeln und Traditionen verletzten, die ihr selbstverständlich und heilig waren.
Wohl auch eine Frau, die Angst hatte und weinte, vermutlich mehr mit sich selbst geredet hat als mit ihrem Sohn. Sie bedachte alles in ihrem Herzen, wie es in der Bibel heißt. All das bringt sie uns nahe, und doch spiegelt sich ihr Schicksal im großen Weg ihres Sohnes. Eine außergewöhnliche Frau, die doch Frau unter Frauen ist, die in allem an der conditio humana (Anm.: an der Natur des Menschseins) von uns Menschen teilhatte und die Lebensreise ihres Sohnes bis zum Ende mitging.
So bündelt sich in ihr und ihrem Schicksal das ganze Spektrum menschlicher Gefühle und Beziehungen: die Freude, die Tränen, der Schmerz, die Fürbitte für andere und auch die bleibende Rätselhaftigkeit eines Glaubens- und Lebensweges, den zu gehen ihr das Schicksal ihres Sohnes auferlegt hat.
In Maria ehren wir die Mutter Jesu, aber in ihr auch die uns begleitenden Menschen und Umstände, die unser Leben formen und prägen. Wir verstehen, weshalb viele Menschen in Freude und Leid, in Gesundheit und Krankheit und in guten und schlechten Tagen den Weg zu ihr suchen und finden.
Quellenangabe: Hermann Breulmann SJ, in: Johannes Stoffers (Hg.), Leben im Rhythmus des Kirchenjahres. Verstehen, was wir feiern, © Echter Verlag, Würzburg 2014, S. 59-60.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Hubertus Ilg, Pastoraler Mitarbeiter SE Zwiefalter Alb
April
Was Jesus für uns tat bis in den Tod,
das kann nicht sterben,
das liegt auf der Hand.
Das wiegt leicht wie Brot,
das wiegt schwer wie der Tod,
das ist Brot zum Leben,
das liegt auf der Hand.
Das ist sein Leib,
verschenkt verteilt,
einer für alle,
das liegt auf der Hand.
Was Jesus für uns tat bis in den Tod,
das kann nicht sterben,
das liegt auf der Hand.
Lothar Zenetti
März
"Den Mut nicht verlieren“
Am 16. Februar 2024 meldete die russische Strafvollzugsbehörde den Tod des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny. Mich hat das sehr berührt und auch traurig gemacht. Ich habe mich gefragt: Über welche innere Stärke und Freiheit verfügt ein Mensch, wenn er erfüllt ist, von seiner Überzeugung?
Könnte ich das? Mein Leben einsetzen für Gerechtigkeit, Menschenrechte, Freiheit oder einfach nur für die Wahrheit? Ich bin davon nicht so sehr überzeugt und daher voller Respekt für die Menschen in Weißrussland, Myanmar oder Hongkong – um nur einige aktuelle Krisenherde der Welt zu nennen: Diese Menschen gehen auf die Straße für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Sie riskieren ihr Leben dafür, weil es um das Leben selber geht.
Um es mit Worten des Apostels Paulus zu beschreiben, die er an seine Gemeinde in Korinth gerichtet hat: „Mit großer Standhaftigkeit ertragen wir Leid, Not und Verzweiflung. Man schlägt uns, wirft uns ins Gefängnis und hetzt die Leute gegen uns auf…Wir achten auf die Wahrheit unserer Verkündigung und die Kraft, die von Gott kommt…Wir sind vom Tode bedroht, und seht doch: Wir leben! …Wir geraten in Trauer und bleiben doch fröhlich.“ (2.Kor 6,4ff)
Ohne den Mut der ersten Gemeinden, gegen allen Widerstand für die Botschaft von Jesus Christus einzutreten, selbst wenn es Haft oder den Tod bedeutete, gäbe es heute keine Kirche. Ohne Menschen wie Alexej Nawalny, Nelson Mandela, Hans und Sophie Scholl oder auch Dietrich Bonhoeffer käme die Welt auf dem Weg zur Gerechtigkeit und Wahrheit nicht wirklich voran.
Müsste auch ich nicht deshalb mutiger sein? Doch, das müsste ich. Dabei muss ich wohl kaum um meine Freiheit oder mein Leben Angst haben. Die Worte von Paulus machen mir Mut, und er ruft mir zu: Bleib mutig! Schau dein Leben und vor allem dein Handeln an! Was für ein großer und wichtiger Auftrag an mich und uns alle für diese Fastenzeit. Noch vier Wochen bleiben mir dafür Zeit… Ich will diese Zeit der Reflexion und Besinnung nutzen, mein Leben und Handeln überdenken und manche „Stellschrauben“ nach zu justieren. So gestärkt kann ich vielleicht, wenn es wirklich darauf ankommt voller Überzeugung meinen Standpunkt vertreten, auch wenn es unbequem für mich ist.
Patricia Engling, Gemeindereferentin
Februar
Trotzdem – das Lachen in meinem Gesicht
Der Priesterkünstler Sieger Köder hat sie in zahlreichen Facetten gemalt – Clowns. Fröhlich und nachdenklich, bunt und einfarbig. Wie das Leben.
Besonders in diesen närrischen Tagen, wenn es zum Beispiel in Zwiefalten wieder heißt „Masken raus und Schellen na!“ sind sie ganz präsent: Masken in allen Farben und Formen. Verkleidet gehen die Menschen auf die Straße, feiern, sind fröhlich, genießen die Fasnetszeit in ihrer Ausgelassenheit. Das Leben wird parodiert, es wird gelacht und gescherzt. Eine schöne Zeit!
So unterschiedlich diese Zeiten sind, so eng sind sie miteinander verbunden. Wie das Leben.
Schnell kommen Kritiker:innen um die Ecke und sagen:
Wer nur zur Fasnet fröhlich und ausgelassen sein kann, kann es doch gleich bleiben lassen. Diese aufgesetzte Fröhlichkeit braucht kein Mensch. Besonders nicht in dieser Zeit, Krieg, Unsicherheit und Hunger in der Welt.
Und dann gibt es die, die diese Ausgelassenheit einfach nur genießen. Sehen sie all das Leid nicht? Geblendet von den Masken auf ihrem Gesicht? Blind für die Realität?
Das wäre eine haltlose Unterstellung.
Aus unserem christlichen Glauben heraus, ist die Freude, ist die Hoffnung – ja, auch die Ausgelassenheit so ein wichtiger Teil des Lebens.
Trotzdem!
Wie oft sagt uns die Botschaft Jesu genau das: Trotzdem.
Er wurde verfolgt, ans Kreuz genagelt, ermordet – Hoffnung gilt trotzdem. Ostern, die Auferstehung als Urgrund der größten Freude.
Und auch wer Fasnet feiert, sagt ein herzhaftes „trotzdem“ zu den Geschehnissen in der Welt, die ganz und gar nicht zum Lachen sind. Nicht umsonst hat es sich in einigen Regionen durchgesetzt, dass auch politische Themen in den Umzügen ihren Spott aushalten müssen.
Trotzdem.
Und dann kommt in diesem Februar auch noch die andere Zeit, die im Kirchenjahr mit dem Aschermittwoch beginnt – die Fastenzeit. Umgangssprachlich eine Zeit des Verzichts, eine Zeit der Buße. Augenscheinlich genau das Gegenteil der bunten Fasnetszeit. Von einem Tag auf den Anderen: Von Freude zu Buße. Von Ausgelassenheit zur Besinnung.
Masken absetzen, so dass das echte Gesicht zum Vorschein kommt.
Vielleicht nachdenklich, vielleicht ganz ernst, vielleicht auch traurig oder noch mit einem verschmitzten Lächeln in Erinnerung an die vergangenen Fasnetstage.
Die Bilder von Sieger Köder sind urheberrechtlich geschützt, weshalb sie hier nicht veröffentlicht werden können.
Einen Blick auf die Bilder kann man aber online werfen, indem man „Clown-Bilder Sieger Köder“ in eine Bildersuchmaschine eingibt.
Maria Grüner
Januar 2024
Ein gesegnetes Neues Jahr 2024
Was ist ein Neues Jahr?
Das Neue Jahr ist eine Zeit der Freude, der Feiern und der Hoffnung. Es ist eine Zeit, in der Menschen auf der ganzen Welt zusammenkommen, um das Ende eines Jahres zu feiern und auf das kommende Jahr voller Möglichkeiten zu hoffen.
In vielen Kulturen wird das Neue Jahr mit Festlichkeiten und Traditionen gefeiert. In Deutschland gibt es Silvesterfeiern mit Feuerwerken, Musik und Tanz. Die Menschen versammeln sich mit ihren Familien und Freunden, um das alte Jahr zu verabschieden und das Neue Jahr willkommen zu heißen.
Für viele Menschen ist das Neue Jahr auch eine Zeit, um sich Ziele zu setzen und Pläne für die Zukunft zu machen. Es ist eine Gelegenheit, um über das vergangene Jahr nachzudenken und sich auf das zu konzentrieren, was im kommenden Jahr erreicht werden soll.
Das Neue Jahr bringt auch die Hoffnung auf Veränderung und Erneuerung. Viele Menschen nutzen diese Zeit, um schlechte Gewohnheiten abzulegen und gesünder zu leben. Es ist eine Zeit um frisch zu beginnen und das Beste aus dem kommenden Jahr herauszuholen.
Insgesamt ist das Neue Jahr eine Zeit des Neuanfangs, der Feier und der Hoffnung. Es ist eine Zeit, in der Menschen sich gegenseitig Liebe und Glück wünschen und sich auf die Möglichkeiten freuen, die das kommende Jahr bringen wird.
Ich wünsche Euch allen einen Neuanfang.
Pater Evodius Miku























